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Die Amtsstraße in Schwerin: Dort – in einer Stube neben den Altertumssammlungen – wohnte auch Amalie Buchheim (Jahrbuch für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde 99 [1935], 272)


Durch den täglichen Umgang mit dem Sammlungsinventar hatte sich Amalie Buchheim im Laufe der Jahre ein umfangreiches archäologisches Fachwissen angeeignet, weshalb Lisch sie mehr und mehr mit fachspezifischen Arbeiten betraute. Da der Archivar inzwischen auch international einige Berühmtheit erlangt hatte, war er nun häufig unterwegs, und Amalie Buchheim führte die archäologischen Arbeiten bald oft alleine durch. Neben der Restaurierung, Zeichnung, Bestimmung und Ordnung der Funde entwickelte sie umfangreiche Aktivitäten, um den Vereinsfundus durch neue Exponate zu vergrößern.

Tags Custodin, abends Näherin

Als 1860 auch ihre Mutter starb, erwirkte Lisch endlich eine offizielle Anstellung Amalie Buchheims am großherzoglichen Hof, die damit als erste weibliche Custodin einer Altertümersammlung im deutschsprachigen Raum gelten kann. Doch die Freude Buchheims über die Anstellung war stark getrübt, da der Großherzog ihr ein so geringes Einkommen zugestand, dass sie so arm war wie zuvor. So blieb sie weiterhin auf Zuverdienste durch Näh- und Flickarbeiten angewiesen.

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Amalie Buchheims Zeichnung einer Urne aus Wotenitz für einen Beitrag im Jahrbuch für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde (Jg. 25 [1860], 253)

Ihre wissenschaftliche Arbeit und fachliche Anerkennung wuchsen in den folgenden 20 Jahren stetig, auch wenn Amalie Buchheim nach wie vor in bitterer Armut lebte. Die Popularität der Sammlungen zog viele namhafte Besucher an, weshalb sich die Custodin einen weiten Bekanntenkreis aufbauen konnte. Obwohl sie keine eigenen Veröffentlichungen vorlegte, war ihr Name unter den Fachkollegen weithin bekannt. In zahlreichen Publikationen wird sie von den (ausschließlich männlichen) Verfassern mit großem Respekt als äußerst kompetent und gelehrt geschildert. Heinrich Schliemann, mit dem sie – ebenso wie mit seiner Frau Sophie – korrespondierte, bezeichnete sie in seinem Werk »Ilios« als seine „geehrte Freundin, das gelehrte Fräulein Amalie Buchheim". In diesen Jahren hielt sich auch Johanna Mestorf, die spätere Professorin und Museumsleiterin der Kieler Altertümersammlungen, mehrfach in Schwerin auf, um bei der Custodin die Grundlagen der Museumsarbeit zu erlernen.

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Jahrbuch für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde von 1868 mit handschriftlicher Widmung der Custodin Amalie Buchheim