Einsam, mittellos und in Ungnade verfallen, verbrachte die Herzogin fortan ihre Tage auf der Burg Wagensberg im heutigen Slowenien. Das Jahr 1904 stand im Zeichen zweier herber persönlicher Verluste: Im gleichen Jahr verstarben ihr geliebter Vater und ihr ältester Sohn Paul Friedrich.

Die Herzogin und das Altertum

Obwohl Marie ihr Schicksal sichtbar schwernahm, verfiel sie im Alter von 48 Jahren einer Passion, die sie bis zu ihrem Lebensende begleiten sollte – der Archäologie. Das Interesse am Altertum lag sozusagen in der Familie: Nicht nur ihr Cousin, der deutsche Kaiser Wilhelm II., stattete archäologische Expeditionen mit großzügigen Mitteln aus, auch die angeheiratete Familie hatte eine große Affinität zur Altertumsforschung. In Schwerin wurde das Großherzogliche Museum als erstes Museum seiner Art gegründet, das über eine systematische, chronologische archäologische Ausstellung verfügte. Auch Maries Onkel, Prinz Ernst von Windischgrätz, galt in Fachkreisen als angesehener Archäologe und Numismatiker und hatte sich als Ausgräber einen Namen gemacht. Besonders aktiv war er in Vače, einem reichen Gräberfeld aus der Hallstattzeit, wo seit 1878 in kürzester Zeit mehr als 2000 Gräber geöffnet worden waren. In seinem Wiener Schloss unterhielt der Prinz ein kleines Privatmuseum mit archäologischen Fundstücken.

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Die Herzogin während einer Ausgrabung im Jahr 1905 (Peabody Museum, Harvard Universität)

Lehrjahre

Im Jahr 1905 führte die Herzogin ihre erste eigene Ausgrabung in Vače durch, also auf dem Gräberfeld, auf dem sich bereits ihr Onkel eine Generation zuvor einen Namen gemacht hat. Der Funke sprang sofort über: Neun weitere Fundplätze der Hallstattzeit sollten noch im gleichen Jahr folgen. Dass die Herzogin ihre Ausgrabungstätigkeit ausschließlich auf reich ausgestattete Gräberfelder der Eisenzeit richtete, könnte auch an einem gewissen pekuniären Interesse der verarmten Adeligen gelegen haben. Der östliche Hallstattkreis, zu dem all diese Nekropolen gehörten, rückte um 1900 nicht nur mehr und mehr in den Fokus der wissenschaftlichen Forschung, sondern vor allem auch des internationalen Sammlerinteresses: Namhafte Museen und Institutionen zahlten kräftig, um ihre Sammlungen mit den kostbaren keltischen Fundstücken aus dem ersten vorchristlichen Jahrtausend zu erweitern. Auf der Suche nach einer geeigneten Ausgrabungsstätte stieß die Herzogin, auf die Nekropole von St. Veit, dem heutigen Stična. Da auf dem hallstattzeitlichen Gräberfeld mit 125 Grabhügeln bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlesene Funde gemacht worden waren, zeigten mehrere Institutionen und Museen aus Wien großes Interesse an einer Fortsetzung der Ausgrabungen. Die Archäologen waren jedoch jahrelang an dem Widerstand vor Ort gescheitert: Die Bauern, die um ihr Getreide fürchteten, weigerten sich vehement, die gelehrten Herren aus der fernen Hauptstadt auf ihre Felder zu lassen. Als Landesherrin gelang es der Herzogin dagegen schnell, die Gegenwehr ihrer Untertanen zu brechen, wobei den Landeskindern die Aussicht auf ein halbes Jahresgehalt den Gehorsam versüßt haben dürfte.

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Bernstein- und Glasperlenschmuck aus den hallstattzeitlichen Gräberfeldern der Krain (unbekannter Künstler, Peabody Museum, Harvard University)

Trotz ihrer Ausgrabungserfolge blieb der Herzogin wegen ihrer fehlenden professionellen Ausbildung die Anerkennung in Fachkreisen versagt. In den nächsten Jahren setzte sie all ihren Einfluss ein, um diese zu erlangen. Während eines Aufenthaltes in Berlin im Jahr 1906 arrangierte sie daher mehrere Besuche in der Vorgeschichtlichen Abteilung des Königlichen Museums für Völkerkunde. Erklärtes Ziel der Herzogin war es, entweder Alfred Götze, den Leiter der Vorgeschichtlichen Abteilung, oder den Museumsrestaurator Friedrich Rathgen für eine Ausgrabung in der Krain zu gewinnen. Um das Interesse der Fachleute zu wecken, lockte die Herzogin den Museumsdirektor Wilhelm von Bode mit der Aussicht auf wertvolle Funde. Die Strategie hatte Erfolg: Bode entsandte stantepede seinen unwilligen Konservator nach Wagensberg mit dem Auftrag, hallstattzeitliche Pretiosen für die königliche Sammlung zu gewinnen.