Die Herzogin mit der Hacke

von_windischgrtz

Archäologische Ausgrabungen zählten um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zu einem königlichen Vergnügen von erstem Rang. Die europäische Aristokratie, allen voran der Kaiser des Deutschen Reichs, Wilhelm II., begeisterte sich für die junge Wissenschaft, die Ende des 19. Jahrhunderts mit der Entdeckung des Neandertalers bei Düsseldorf und der Lokalisierung des homerischen Trojas in der Türkei spektakuläre Erfolge im In- und Ausland feierte. Zu den ausgrabungsbegeisterten Adelskreisen zählte auch des Kaisers Cousine Marie, die am 1856 als Prinzessin Marie Gabriele Ernestine Alexandra von Windischgrätz im heutigen Slowenien geboren wurde.


Die Jahre an der Seite des Herzogs von Mecklenburg-Schwerin

Nachdem ihre Mutter gestorben war, wuchs Marie gemeinsam mit ihrer Schwester am Schweriner Hof bei der Familie ihres Onkels auf, in die sie im Alter von 25 Jahren einheiratete. Im Jahr 1881 wurde die Hochzeit mit dem Herzog Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin verkündet, dem zweitältesten Sohn des Großherzogs, der ebenso wie Marie Enkelkind der Schwester Wilhelms II. und somit ihr Cousin ersten Grades war. Die in der Presse gefeierte Traumhochzeit geriet jedoch schnell zum Skandal. Die Aufregung entzündete sich nicht am engen Verwandtschaftsverhältnis – die europäischen Königshäuser waren alle eng miteinander verwandt –, sondern an den unterschiedlichen Konfessionen der Eheleute. Denn obwohl Marie katholisch getauft war, wurde die Trauung nach evangelisch-lutherischem Zeremoniell vollzogen, ohne vorher dafür die nötige Dispens des Papstes einzuholen. Nach einer offiziellen Protestnote seitens des Vatikans stand damit die Legitimität der Ehe auf dem Spiel, etwaige Kinder aus der Verbindung wären als Folge unehelich auf die Welt gekommen – eine Ungeheuerlichkeit nach den damaligen Moralvorstellungen. Zwar wurde nach Fürsprache des Kaisers die Dispens schließlich doch erteilt, jedoch erst nach einer großen zeitlichen Verzögerung und mit zwei Auflagen: Zum einen musste die Trauung noch einmal auch nach römisch-katholischem Zeremoniell vollzogen werden, zum anderen bestand der Vatikan darauf, dass die Kinder katholisch getauft und erzogen werden. Letzteres hatte zur Folge, dass sowohl dem Herzog Paul Friedrich, als auch seinen Nachkommen jegliche Ansprüche auf den protestantischen Schweriner Thron versagt blieben.

hochzeit
Hochzeitsbild von Herzog Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin und der Prinzessin von Windischgrätz (Leipziger Illustrierte Zeitung 1881)

Trennung und Verbannung

Trotz der vier gemeinsamen Kinder, die in schneller Folge auf dem Stammsitz Ludwigslust (Paul Friedrich *1882) und auf einer ausgedehnten Afrika- und Europareise (Marie-Luise *1883, Marie-Antoinette *1884 in El-Biar in Algerien, Heinrich Borwin *1885 in Venedig) geboren wurden, verlief die Ehe nicht glücklich.

Man warf der Herzogin Verschwendungssucht vor, die dem finanziell gut situierten Herzogshaus empfindlich geschadet haben soll. Auf Betreiben von Maries Schwager, dem Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, wurde die Herzogin im Jahr 1900 in »beiderseitigem Einverständnis« der Eheleute unter die Vormundschaft ziviler Behörden gestellt, ein amtlicher Vorgang, der einer gesetzmäßigen und finanziellen Scheidung von ihrem Ehegatten gleichkam. In den Memoiren des Grafen Axel von Schwerin findet sich 1915 eine Beschreibung zu den Vorgängen:

»... anstatt eine ergebene Gattin zu sein, ergab sich die Prinzessin einer solch unbekümmerten Extravaganz, dass der Großherzog einschreiten musste. Es gelang ihrem Vater trotz allem, den zornigen Großherzog zu beruhigen. Seit dieser Zeit war die Herzogin Marie gezwungen, in einer Burg in Krain zu leben, ihr war versagt, die Burg ohne Erlaubnis zu verlassen und in ihrer Gesellschaft befand sich nur eine Kammerfrau. Von Zeit zu Zeit stattet ihr Herzog Paul einen Besuch ab, ansonsten ist sie von der Welt vergessen, die sie einst so geliebt hat.«

von_windischgrtz_schirm
Die frischverheiratete Herzogin von Mecklenburg-Schwerin (Postkartenmotiv)