Im Herzen Afrika

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1928 hatte die British Association for the Advancement of Science einen besonders heiklen Forschungsauftrag zu vergeben: In der Kolonie Rhodesien war Jahre zuvor ein Streit darum entbrannt, ob die berühmten Steinruinen Groß-Simbabwes von Afrikanern erbaut worden waren. Weiße Siedler glaubten lieber an frühe Einwanderer aus dem fernen Phönizien. Gesucht wurde nun eine Person, die nicht nur die einmonatige Schiffsreise über den Suez-Kanal nach Masvingo auf sich nahm, sondern vor allem präzise archäologische Ausgrabungen durchzuführen wusste.


Die Wahl fiel auf Gertrude Caton-Thompson, die später notierte: „Zwei Assistentinnen kamen mit mir: Miss Norie, um bei den Plänen und den Zeichnungen zu helfen und Miss Kenyon für die Fotografie. Sehr zum Schrecken von Rhodesien stellte ich keinen weißen Mann an, um die Arbeiter anzuweisen. In Salisbury kaufte ich einen tadellosen gebrauchten Lastwagen, den Miss Kenyon vollständig in ihre Obhut nahm, und wir brachten eine ziemlich weite Strecke hinter uns. Wir begannen mit der Arbeit, sobald der Regen aufgehört hatte – Anfang April, in Groß-Zimbabwe, der größten und wichtigsten Rhodesischen Ruine.”

Schon im August 1929 – nach einer einzigen Grabungssaison – überzeugte die britische Archäologin ein erstauntes Kongresspublikum in Pretoria mit ihren Ausgrabungsresultaten: Die imposanten Steinbauten waren afrikanischen Ursprungs, und ihre Erbauer hatten über exzellente Handelskontakte in den mittelalterlichen Orient verfügt.

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Aufriss-Zeichnung der Maunde-Ruinen von Simbabwe (aus: G. Caton-Thompson, The Zimbabwe Culture - Ruins and Reactions. Oxford 1931)

Ausflüge aus der Londoner Gesellschaft

Von Hause aus hatte Gertrude Caton-Thompson trotz des frühen Todes ihres Vaters eine gediegene Bildung genossen: Sie wuchs in London mit Privatunterricht auf, darunter im Violinspiel und im Reiten. Im Alter von 13 Jahren besuchte sie eine Schule, die jedoch sehr zu ihrem späteren Bedauern keine exakten Wissenschaften unterrichtete. 1906 führte sie eine Cooks Schiffsreise zusammen mit ihrer Mutter erstmals in den Mittelmeerraum und nach Ägypten.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges engagierte sie sich wie viele Frauen in der Spenden- und Lebensmittelsammlung. Aus dieser Verpflichtung heraus nahm Caton Thompson eine Stelle als Sekretärin im britischen Ministerium für Transport an, die sie 1919 zu jener Friedenskonferenz nach Paris führen sollte, die anlässlich des Abschlusses des Versailler Vertrages tagte. Dort traf sie auf berühmte Orientexperten wie Gertrude Bell und T.H. Lawrence.